500. Reformationsjubiläum für Merkel ein wichtiger Tag

28 Oct 2017

Berlin - Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das 500. Reformationsjubiläum am Dienstag (31.10.) ein wichtiger Tag. Er gebe die Gelegenheit, darüber nachzudenken, was die Reformation an Veränderungen gebracht habe, so Merkel.

Durch die Reformation sei "Vieles gesellschaftspolitisch in Gang gekommen", so die Bundeskanzlerin. Ohne die Erfindung des Buchdrucks sei die Reformation allerdings undenkbar. Merkel: "Die Kombination von der Übersetzung der Bibel ins Deutsche plus der Verfügbarkeit von Gedrucktem hat natürlich zu einer Verbreitung der christlichen Lehre geführt, aber damit auch zu einer Emanzipation." Es lohne sich, darüber nachzudenken, was vor 500 Jahren in Deutschland und in Europa durch Luther, durch die Reformation und durch die neuen technischen Möglichkeiten passiert sei, "um auch unsere Zeit besser zu verstehen".

Die Reformationsfeierlichkeiten hätten dazu geführt, dass man Martin Luther von verschiedenen Seiten sehe, "und das finde ich auch richtig", sagt die Bundeskanzlerin. Wie jeder Mensch sei Luther mit unglaublichen Stärken, aber eben auch mit Schwächen ausgestattet gewesen. Es sei wichtig, etwa über seine Aussagen zum Judentum auch sehr kritisch zu berichten. "Das ist für mich die vollständige, historische Rezeption, die wir brauchen."

Trotzdem sei Luther für sie persönlich "immer Ermutigung gewesen", sagt Merkel: "Einmal dadurch, dass er ein unbändiger Arbeiter war. Für mich ist aber genauso schön, dass er mit beiden Beinen im Leben gestanden hat." Es gebe eben nicht nur die Bibelübersetzung, sondern zudem die vielen Lieder, die Luther auch als Familienvater geschrieben habe. Und es existierten die Kochbücher aus der Lutherzeit, die zeigten, "dass er auch gerne gelebt, gegessen und getrunken hat". Merkel wörtlich: "Diese Kombination aus einem bodenständigen Menschen und einem, der ein ganz klares Bild bezüglich Gott und der Welt hatte, und der den Menschen auch gesehen hat als jemand, der Verantwortung übernehmen muss und sich nicht einfach in sein Schicksal fügen soll, sondern Freiheit hat, um Verantwortung für andere zu übernehmen: Das finde ich das Bedeutende an Luther."

In Deutschland, erklärt Merkel, herrsche ein "sehr interessantes Verhältnis von Kirche und Staat". Es sei sicherlich auch sehr stark durch die Reformation mit geprägt. "Das bedeutet, dass wir zwar eine Trennung von Kirche und Staat haben, aber nicht eine vollständige Trennung, wie wir sie zum Beispiel in Frankreich durch den Laizismus haben", sagt die Bundeskanzlerin. Sie verweist auf die Verträge zwischen Kirche und Staat sowie auf den Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes. Die Trennung der Aufgaben, aber auch das klare Bekenntnis im staatlichen Bereich, "dass das Christentum eine der Grundlagen unserer Arbeit ist und natürlich auch unsere persönliche Tätigkeit prägt", finde sie sehr gelungen, so Merkel.

Am Reformationstag wird die Bundeskanzlerin am Festgottesdienst und am staatlichen Festakt in der Lutherstadt Wittenberg teilnehmen. Beim Festakt hält sie die Festrede.

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