Nigerias Chibok-Mädchen und die Vertreibung der Christen

15 Apr 2018

Kelkheim (ots) - Vor genau vier Jahren, am 14. April 2014, entführte die islamistische Gruppe Boko Haram 219 zumeist christliche Mädchen aus Chibok in Nordnigeria. Während mehr als 100 von ihnen teils nach Verhandlungen freigelassen wurden, teils fliehen konnten, werden 112 noch immer schmerzlich vermisst. Die Eltern haben Partner des christlichen Hilfswerks Open Doors um weitere Unterstützung gebeten. Sie betonten, in Chibok werde nicht gefeiert, solange nicht alle Mädchen frei seien.

Gezielte Angriffe auf Christen mit Raub, Morden und Entführungen
Wegen der fortgesetzten Angriffe auf überwiegend christliche Dörfer im Mittelgürtel von Nigeria wandte sich am 8. Februar eine 11-köpfige Bischofsdelegation der katholischen Kirche von Nigeria mit scharfen Worten an Präsident Muhammadu Buhari. Die Regierung sei "entweder unfähig oder unwillig", die Bevölkerung dort zu schützen. So hatten beispielsweise am 4. Dezember 2017 Fulani-Hirten mehrheitlich von Christen bewohnte Dörfer im Bundesstaat Adamawa angegriffen. Die zur Beendigung des Konflikts herbeigerufene Armee hatte jedoch laut Amnesty International die fliehenden Einwohner nicht beschützt, sondern bombardiert und dabei viele getötet.

In den Bundesstaaten Kaduna, Plateau, Nasarawa, Benue und Taraba ermordeten Angehörige der Fulani in den Jahren 2013 bis 2015 etwa 6.500 Menschen. Allein zwischen Ende 2016 und Januar 2017 töteten sie im Gebiet von Kagoro (Süd-Kaduna) mehr als 800 Christen. Die "International Crisis Group" mit Hauptsitz in Belgien berichtet von Überfällen auf mehr als 50 christliche Dörfer in 12 Monaten. "Die Fulani wollen die Christen unterwerfen, das Land zerstückeln, den Einfluss des Evangeliums schwächen und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zerstören. Ihre Agenda ist gegen die
christliche Mehrheit im südlichen Kaduna gerichtet. Hinter dieser Form des Dschihad steckt eine starke finanzielle Unterstützung und Planung", warnten die Bischöfe der Region. Hunderte christliche Mädchen und Frauen wurden bislang entführt, unzählige Wohnhäuser und Kirchen zerstört, Ländereien und Besitztümer gestohlen. World Watch Research, die Feldforschungsabteilung von Open Doors, hat dazu im Januar den ausführlichen Bericht vorgelegt: "Nigeria: Southern Kaduna and the atrocities of Hausa-Fulani Muslim herdsmen (May 2016 - September 2017)".

Nach Einschätzung des "Nigeria Conflict Security Analysis Network" geht es hierbei nicht um typische Gebietsstreitigkeiten, sondern um die Durchsetzung einer politischen Strategie: Nicht-islamische Gebiete sollen in das "Haus des Islam" überführt werden.

Neue Entführung in Dapchi: nur die Christin Leah Sharibu kommt nicht frei
Am 19. Februar 2018 haben Anhänger von Boko Haram mehr als 100 Mädchen aus einer Schule in Dapchi, im Bundesstaat Yobe, entführt. Nach Verhandlungen mit den Entführern wurden am 21. März alle Mädchen freigelassen - bis auf Leah Sharibu. Als die 15-jährige Christin kurz vor ihrer Heimreise mit den anderen Schülerinnen aufgefordert wurde, den Islam anzunehmen, weigerte sie sich und musste deshalb bei den Entführern bleiben. Als Einzige.

Vertreibung der Christen aus Nigerias Norden beenden
Open Doors Deutschland berichtet seit Jahren über die anhaltende und strategisch ausgeübte Gewalt gegen Christen in Nigerias Norden. Der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Markus Rode sagt dazu: "Mehr als 13.000 Kirchen wurden in den letzten 17 Jahren im Norden Nigerias geschlossen oder zerstört, tausende Christen ermordet und hunderttausende vertrieben. Boko Haram will dort ein Kalifat nach dem Muster des Ur-Islam errichten, an dem die muslimischen Fulani-Viehhirten durch gezielte Angriffe gegen Christen mitbauen."
Rode bittet um Gebet für die vielen Opfer der Verfolgung und erwartet, dass sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entschlossener bei der Regierung in Nigeria für den Schutz von Christen einsetzt. Auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex von Open Doors belegt Nigeria Rang 14, ist jedoch das Land mit dem zweithöchsten Gewaltaufkommen gegen Christen.

Foto: obs/Open Doors Deutschland e.V.

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